Fan
| Ritchie Blackmore (g), Roger Glover (b), Jon Lord (key), Ian Paice (dr), Ian Gillan (voc) Zwei Londoner Geschäftsleute beschlossen 1967 in eine Rock-Band zu investieren. Tony Edwards arbeitete für eine der Familie eigene Textilfirma und John Coletta in einer Werbeagentur. Beide waren völlig unerfahren im Musikgeschäft. Sie beauftragten den klassisch ausgebildeten Organisten Jon Douglas Lord (* 9.6.1941, Leicester) eine geeignete Formation aufzubauen. Lord hatte seine musikalische Karriere bei der exzellenten R&B-Gruppe Artwoods begonnen, der auch Keef Hartley angehörte. 1967 gab er ein Gastspiel bei den Gesangsspezialisten Flower Pot Men, die mit "Let's Go To San Francisco" (GB #5) einen Top-Hit landeten. Edwards und Coletta sprachen auch den Sänger Chris Curtis von den Searchers und den Gitarristen Ritchie Blackmore (* 29.6.1948) an. Blackmore hatte in der Band von Screaming Lord Sutch gespielt und anschließend kurze Episoden in Rockbands wie Outlaws, Heinz & The Wild Boys, Three Musketeers und Crusaders erlebt. Lord, Curtis und Blackmore formierten im Februar 1968 den Kern von Roundabout und verstärkten sich durch Dave Curtis (b) und Bobby Woodman (dr). Eine kleine Tournee im Frühjahr verlief wenig vielversprechend. Lord und Blackmore bildeten daraufhin mit Ian Paice (* 29.6.1948, Nottingham), dem Schotten Rod Evans (voc) und Nick Simper ein neues Team. Paice und Evans kannten sich aus den Bands MI5 und Maze, während der Bassist Simper von Johnny Kidd & The Pirates kam. Er überlebte den Autounfall, bei dem Johnny Kidd zu Tode kam. Unter dem neuen Namen riskierten Deep Purple im dänischen Tastrup am 20.4.68 einen ersten Live-Auftritt. Vier Wochen später entstand in einer 18stündigen Session das Album "Shades Of" (US #23). Im Spätsommer stieg die Band ins Tourneegeschehen ein und im September kletterte die Debütsingle "Hush" bis auf den vierten Platz der US-Charts. In der englischen Heimat nahm niemand die Rock-Bearbeitung von Billy Joe Royals Erfolgsnummer zur Kenntnis. "Shades Of" bot kraftvollen, Gitarren/Orgel-orientierten Rock mit einem charismatischen Leadsänger als zentraler Person. Deep Purple legten mit dieser LP den Grundstein für ihren unumstrittenen Ruf als "einflußreichste Heavy-Band neben Led Zeppelin (Musik Express). "Wir mußten ständig herumreisen und beweisen, daß wir eine harte Rockgruppe sind", erinnert sich Blackmore an die Anfänge. Er lag im permanenten Wettstreit mit dem einflußreichen Organisten Jon Lord um die Vorherrschaft in der Gruppe. Die setzte zunächst weiter auf Cover-Versionen, landete mit Neil Diamonds "Kentucky Woman" (US #33) einen mittleren Hit und polierte im Hardrock-Genre auf den LP's Klassiker wie "River Deep, Mountain High", "Hey Joe" oder "Season Of The Witch" auf. Das erste Halbjahr 1969 brachte für Deep Purple mit den Alben "The Book Of Taliesyn" (US #34) und "Deep Purple" (US #89) durchschnittliche Umsätze. Nach wie vor lag ihr Marktwert in Nordamerika wesentlich höher als in Europa. Im Juli 1969 wurden Evans und Simper gefeuert und probierten vergeblich sich mit Captain Beyond und "Warhouse" zu profilieren. Der Waliser Roger Glover (* 30.11.1945) und Ian Gillan (* 19.8.1945) brachten vier Wochen später frischen Wind in den "Geist des Hardrock" (Sounds). Nach der Premiere im Londoner Speakeasy Club widmete sich das Quintett der Umsetzung von Lords Komposition "Concerto For Group And Orchestra" mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter Leitung von Malcolm Arnold. Die Reaktionen auf das dreiteilige Opus fielen sehr unterschiedlich aus, unterstrichen aber alle in ihren Aussagen die Bedeutung dieser Grenzüberschreitung zwischen E- und U-Musik. Das Album wurde in der Royal Albert Hall von der BBC mitgeschnitten und Lord erhielt daraufhin von dem britischen Staatsfernsehen eine Auftragskomposition, die im September 1971 als "Gemini Suite" zur Uraufführung kam. 1974 hatte die Gemeinschaftsarbeit mit Eberhard Schoener "Windows" aus Anlaß des Kongresses "Jeunesse Musicales" in München Premiere. Lord nahm seine klassischen Exkursionen längst nicht so ernst wie die Musikkritiker, die - wie in der BBC - von "der Verschmelzung zwei konträrer Welten zu einer neuen intensiven musikalischen Aussage" sprachen. "Deep Purple In Rock" (GB #5, US #65, D #1) leitete im August 1970 eine Wende ein. Die Band klang robuster, angriffslustiger und verstärkte Dynamik und Tempo. Gillan erwies sich als überragender Shouter und gab der Rolle des Heavysängers neue Impulse. "In Rock" und die schneidige Single "Black Night" (GB #1, US #61, D #2) machten Deep Purple nun zu Stars in Europa, während die Amerikaner vorübergehend das Interesse verloren. Gillan leistete sich im Herbst 1970 einen kleinen Abstecher in der Titelrolle der Rockoper "Jesus Christ Superstar" auf der Bühne und zur Studiofassung, die in den USA und England unter die Top 10 kam. Während "In Rock" in Europa mit "Strange Kind Of Woman" (GB #6, D #8) einen zweiten Bestseller abwarf und mehrfach vergoldet wurde, mühte sich die "innovative Gruppe" (Ian Gillan) in Nordamerika im Vorprogramm der Faces. Deep Purple präsentierten dabei das neue Material "Fireball" (GB #3, US #27, D #1). Im September 1971 stand das Album an der Spitze der europäischen Charts. Deep Purple genossen nun Superstar-Status und begannen eine gewaltige, aufwendige Heavyrock-Maschinerie durch die Konzerthallen der Welt in Bewegung zu setzen. Im Oktober trug die Band mit Purple Records ihr eigenes Label im Handelsregister ein. Wochen später bastelten die fünf Musiker im Montreaux Casino, Schweiz, an ihrer LP "Machine Head" (GB #1, US #6, D #1). Während sie ein Konzert von Frank Zappa besuchten brannte das Studio ab und inspirierte sie zu dem Hardrock-Klassiker "Smoke On The Water" (GB #19, US #2, D #20). "Machine Head", das Live-Doppelabum "Made In Japan", "Who Do We Think We Are?" "Burn" und "Stormbringer" setzten bis zum Winter 1974/75 die makellose Hitserie erstklassiger Heavy-Alben fort. Das Unternehmen Deep Purple nahm immer größere Ausmaße an. Kritiker sahen die Band in Gigantomanie erstarren. Intern spitzte sich die Auseinandersetzung zwischen Blackmore und Lord zu. Doch zunächst verabschiedeten sich Ian Gillan und Roger Glover im Juni 1973 am Ende einer Japan-Tournee. Der eine gründete bald darauf Gillian, der andere versuchte sich als Solist. Sänger David Coverdale (* 22.9.1949) und Glenn Hughes, ehemaliger Bassist von Trapeze, wurden im September Mitglieder bei Deep Purple. Beide Musiker paßten zu der Band, vermochten ihr aber keine neuen Impulse zu geben. Nach den eher durchschnittlichen, zweifelsfrei sauber produzierten LP's "Burn" (GB #3, US #14, D #1) und "Stormbringer" (GB #8, US #20, D #10) erklärte Blackmore am 7.4.1975 seinen Austritt. Er machte mit Rainbow weiter. Für ihn kam der amerikanische Gitarrist Tommy Bolin von der James Gang. Bolin schrieb sieben der zehn Songs zu "Come Taste The Band" (GB #22, US #76, D #29). Mit diesem Album, als "übler Verschnitt" (Sounds) bezeichnet, sanken die Umsatzzahlen im Herbst 1975 langsam ab. Als Folge der mäßigen Reaktionen auf die aktuelle Platte lösten sich Deep Purple im Juli 1976 auf. Zu einem Zeitpunkt als das Guinness Buch der Rekorde die Briten "als lauteste Band der Welt" führte. Glenn Hughes kehrte kurzzeitig zu Trapeze zurück und veröffentlichte einige Soloplatten, die zwischen Bluesrock und Hardrock variierten. Coverdale gründete Whitesnake. Wieder in den USA formierte Bolin eine eigene Gruppe, starb allerdings wenige Wochen später (4. | 12.1976) an einer Überdosis Heroin. Lord und Paice schließlich taten sich mit Tony Ashton zusammen und produzierten die stramme Rock-LP "Alice In Wonderland". Damit wurde der Aufstieg des "größten musikalischen Ereignisses seit den Beatles" (International Times) abrupt unterbrochen. Ständig neu kombinierte Sampler und Live-Aufnahmen garantierten jedoch die Charts-Präsenz bis zum Sommer 1982. Ehemalige Mitglieder von Deep Purple drängten sich in dieser Zeit in den Vordergrund. Roger Glover hatte als Produzent von Nazareth Erfolg und tourte mit seinem Projekt "The Butterfly Ball". Ian Gillan schien mit seiner neuen Band die Lücke schließen zu können, die Deep Purple hinterlassen hatten und David Coverdale machte ihm dabei heftig Konkurrenz. 1984 verdichteten sich die Gerüchte, daß jeder Musiker zwei Millionen Dollar angeboten bekam, um Deep Purple in der Besetzung Blackmore, Gillan, Glover, Lord, Paice zu reformieren. Der Wiedereinstieg glückte mit dem Kraftpaket "Perfect Strangers", das sich auf beiden Seiten des Atlantiks unter den Top 20 der LP-Charts plazierte. Die wiedererstarkte Band konnte "auch musikalisch an alte Großtaten anknüpfen" (Musik Express) und Ian Paice stellte selbstbewußt fest: "Die Who sind weg, Led Zeppelin auch, da fehlte einfach was wirklich Erstklassiges und Aufregendes". Der Tourneestress konnte den "verjüngten Veteranen" (Süddeutsche Zeitung) nichts mehr anhaben und so überzeugten sie ihre Anhänger durch "Spielfreude, Engagement und eine publikumswirksame Bühnenshow" (Neue Zürcher Zeitung). Bis zur Veröffentlichung von "House Of The Blue Light" (GB #3, US #34, D #1) im Februar 1987 waren Deep Purple fast ununterbrochen unterwegs. Und mit der neuen LP traten sie wieder umgehend eine ausgedehnte Welttournee an, auf der "Nobody's Perfect" (GB #38, D #13) mitgeschnitten wurde. Die "laue Altherrenriege" (Stern) wurde von den alten und neuen Fans geliebt - die Plattenumsätze bewiesen es. Nur die griffige Single wollte den "Königen des Powerhouse Rocks" (Metal Hammer) nicht mehr gelingen. Deep Purple gönnten sich bis 1990 wieder eine Studiopause, um dann mit Joe Lynn Turner an Stelle von Gillan "Slaves And Masters" (GB #45, US #87, D #23) aufzunehmen. "I very much believe in the power of music", kommentierte Glover die Veröffentlichung. Die Fans wandten sich jedoch immer mehr von des Propheten des Hardrocks ab. Deep Purple wirkten müde und ihre professionell in Szene gesetzten Songs wiederholten nur noch lustlos bekannte Hardrock-Klischees. Zu "The Battle Rages On" (GB #21, D #13) kehrte 1992 Ian Gillan als Leadsänger zurück. Auch mit diesem Album lieferten "die Urväter der härteren Gangart" (New Musical Express) nur Dutzendware. Den nächsten Krach gab es im November 1993. Blackmore ließ sich daraufhin auf einer Japan-Tournee von dem Amerikaner Joe Satriani vertreten. Für die 94er Produktion "Come Hell Or High Water" kehrte er jedoch zu den Hardrock-Dinosauriern zurück. Die Kooperation hielt wiederum nur sehr kurz. Nachfolger wurde Ende 1995 der Amerikaner Steve Morse von den Dixie Dregs. Morse debütierte bei "Purpendicular" im Januar 1996 auf einem "passablen Album" (Musik Express), mit dem sich die Hardrock-Dinosaurier wieder etwas steigern konnten. Die virtuose Spielweise von Morse und sein Hang zu Country und Jazz eröffnete Deep Purple neue Horizonte. Seinen Einstand gab er bereits auf dem Mitschnitt "Live At The Olympia", der 1996 in Paris mitgeschnitten wurde und im August 1997 auf den Markt kam. Frontmann Ian Gillan kommentierte den Wechsel zu Morse: "Es ist phantastisch, wir sind so engagiert bei der Sache wie ewig nicht mehr". |
Seite erstellt am 30.07.10 um 3:29:31
in 0.0162 Sekunden.

