



» Shakira
- She Wolf

Was interessiert mich mein Gedudel von gestern?
Dieser Satz könnte von Shakira stammen. Das Gejammer, warum die schöne Columbianerin denn nicht brav am Gewohnten und Bewährten fest hält, ist hier fehl am Platz. Denn das hat sie - zu unserem Glück - noch nie gemacht. Schon in sehr jungen Jahren legte sie sich diesbezüglich mit ihrem damaligen Label SONY-Latin an. Die Sache mit dem fragwürdigen Besetzen einer ausgeleierten Position im
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P. Pieras
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Pop-Gewerbe und selbige möglichst oft wiederzukäuen ist zweifellos nicht die Ihre. Intelligent wie sie ist und permanent in geistiger Bewegung sucht sie ständig nach neuen Ideen und Möglichkeiten. Bekannter Maßen, schreibt, komponiert, arrangiert und produziert, diese Frau so gut wie alles selbst. Allein dadurch unterscheidet sie sich schon von den meisten fremd produzierten Hupfdohlen.
Applaus also für sie und ähnlich mutige Kollegen/innen, die leider immer seltener werden. Zugegeben, aus einem vollen Magen lässt sich natürlich gut kotzen.
Nun hat sie uns also wieder überrascht. Offen gesagt war ich anfangs ähnlich skeptisch wie so mancher Rezensent hier. Die Südamerikanerin brauchte diesmal drei CD-Durchgänge, bis sie sich klammheimlich aber am Ende erneut deutlich in mein musikalisches Wohlwollen geschlichen hatte.
Also was haben wir hier?
Drei Dinge. Elektropop den man europäisch nennen könnte. Eine Scheibe zum abtanzen, die noch so mancher House- oder Techno-DJ in die Mangel nehmen dürfte - und selbstverständlich die klassischen Shakira Insignien, in Form ihrer unverwechselbaren Stimme und die immer wieder auftauchenden, asiatisch-arabisch angehauchten Rhythmen - welche hier jedoch unauffälliger eingesetzt sind als bei so manchem spanischen Song der vergangenen Jahre. Geschickt lässt sie hier Stile des bunt, clean, knalligen Elektropop der 80er-90er einfließen, ohne dabei irgendwas zu kopieren. Eben wieder so ein ganz eigenes Shakira-Ding. Einige Songs sind richtiggehend treibend und insofern für mein Empfinden die erste tanzbare Scheibe von ihr für den klassischen Mitteleuropäer. All ihre vorhergehenden Produktionen trafen tanzrhythmisch doch eher den lateinamerikanischen Nerv. Obschon diese Rhythmen auch in Europa seit Jahren auf dem Vormarsch sind.
Wenn eines ihrer Machwerke den Titel Pop-CD berechtigt trägt, dann diese hier. Die Stilvielfalt ist schon beeindruckend, in der Form nur im Pop möglich und nach eigener Aussage seinerzeit ein entscheidender Grund sich für das Pop Genre zu entscheiden. Bzgl. ihrer Stimme bleibt wieder einmal nur zu sagen. Sie kann es, sie macht es. Inzwischen bezweifle ich, dass es überhaupt eine musikalische Stilrichtung gibt, die sie stimmlich nicht meistert. Ich erinnere nur an "Back in black" auf "Out and of the record" Falls sie noch mal auf Tour geht, dürfen wir auf diese Songs gespannt sein. Mit dem Status Quo nie ganz zufrieden wird sie vermutlich auch diese Titel weiterentwickeln und auf der Bühne anders interpretieren. (s. Live DVD's: MTV-Unplugged, Oral Fixation, Out and of the Record)
Shakira goes audiophil?!
Trotz unverändertem Label hat sie (oder wer auch immer) wohl die vielen Klagen erhört, dass der Pop nur noch klanglichen Schrott abliefert. Auch das hier ist zwar noch kein HiEnd (Stockfisch o.ä.) aber bereits um Klassen besser als ihre bisherigen CD's. Auffallend saubere Bässe. Der beherzte Rechtsdreh am Volumen-Volant wird bei den Titeln "Why wait" oder "Long Time" ohne Reue zur Pflicht. Mitten und Höhen sind halbwegs sauber, Räumlichkeit zumindest ansatzweise vorhanden. Klanglich hingegen deutlich daneben, weil stressig und vermatscht, sind nur "Good Stuff" und "Mon Amour".
Sonstiges:
Nur 9 Titel - aber alle hörenswert. Kein unnötiger Füllstoff also. Die drei letzten Titel sind "nur" die spanischen Versionen von Titel 2, 4 und 1. Gut für die unterschiedlich gestrickten Shakira Anhänger, welche es entweder englisch oder spanisch eher mögen. D.h. aber auch: es wird diesmal nicht, wie seinerzeit bei Oral Fixation, 2 CD's geben. Wie üblich, alle Songtexte vorhanden.
Fazit:
es klingt gut! Und wer sich den ungewohnt neuen Shakira-Klängen öffnet, stellt fest wie gut es klingt. Perfektionismus wird ihr nicht umsonst nachgesagt.
Empfehlung für alle Musikliebhaber mit offenen Ohren. Für Fans ohnehin Pflicht.
Lupus in Fabula - Shakira
P. Pieras
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