CD-Tipp




» Ryan & the Cardinals Adams
-Cold Roses

Americana-Prinz
und da ist er wieder, der rainer-maria fassbinder der alternativen musikszene. überbordend-kreativ und unablässig output auf höchstem niveau abfeuernd. fassbinder brachte es in kürzester schaffenszeit auf über 40 filme, von denen nur sehr wenige als für die tonne gedreht" gelten, fast immer zwischen avantgarde und mainstream wandelnd. nichts anderes ist ryan adams. mit seinem 2001er album
...
www.kontrastradio.net
heartbreaker" wurde er zum prinzen und fackelträger der ach so indepepentiösen musikszene und zum ultimativen singer/songwriter-prinz dazu. dem einzigen dem man das kunststück zutraute den übergroßen schatten der vergangenheit - young, taylor und co - endlich einmal gehörig in den hintern zu treten.
das album gold" sollte ihn nur ein jahr später sogar auf titelblatt-niveau hieven. plötzlich wurde sogar bekannt, dass selbst elton john die musik des amerikaners aus jacksonville, north carolina, erst respektierte, dann schätzte und inzwischen längst vergötterte. und mit einem mal schien ryan das bindeglied zwischen der abgekapselten alternative welt und dem großen mainstream zu werden.
nun, seitdem hat ryan adams in bester bienen-manier jahr für jahr neues material veröffentlicht. material, welches nicht mehr ganz das niveau von heartbreaker" und gold" erreichen konnte und manchem kritiker den vorschlag in den mund legte, den output vielleicht zugunsten einer konstant hohen qualität dann doch eine terz zu drosseln. da jedoch selbst dieses leicht schwächere material summasummarum zu den alternative-highlights des jeweiligen jahres gehörte starben die paar kritischen stimmen einen elendigen tod. und alles, was ryan adams einbüßte war wohl lediglich der status eben jenes bindeglied zum mainstream zu sein. den hat sich nun ja bekanntlich adam green geschnappt. und spätestenes mit cold roses" dürfte es sich ryan adams zumindest mit dem europäischen maintream endgültig verscherzt haben. das wiederum tut jeodch verdammt gut.
schon auf gold" hatte ryan sich klanglich von seinen alten whiskeytown-zeiten verabschiedet war merklich abgewichen vom rauhen americana-sound, den er auch auf heartbreaker" noch elaboriert zur schau gestellt hatte. hinfort mit jeglichen country-attitüden. war er hinübermäandert zu gold" und damit auch zu mehr rock. und den verträgt man ja bekanntlich auch in unseren breiten ganz gut.
mit cold roses" vollzieht er nun jedoch einen back to the roots"-gang par excellence. oder um es etwas bildlicher zu sagen: mister adams hat die schäbige lederjacke eingetauscht gegen ausgetretene boots, einen colt, eine handvoll munition und - für die ganz begriffsstutzigen - auch gegen einen cowboyhut. einen kleinen zumindest.
cold roses" kommt, wie soll es auch anders sein bei adams, als doppel-cd daher, was in der endabrechnung gut achtzig minuten spielzeit zu buche schlagen lässt. wenn man nun noch ins kalkül bringt, dass für den sommer und den spätherbst zwei weitere ryan adams-alben auf dem vö-kalender stehen, dann ist man wieder bei dem output fassbinder'scher prägung angelangt. aber halt auch bei dem inzwischen leicht angegrauten stöhnen der kritiker, die - da sollte man gar nicht drumherum reden - sich mit cold roses" aufs vollste bestätigt fühlen dürften. denn viele songs auf cold roses" gehören zwar zum besten, was ryan adams seit heartbreaker" auf die tonspur bekommen hat und dürften dementsprechend auch den direkten weg in die adams-klassiker-kiste finden (das zumindest stimmlich sehr country-eske cherry lane" beispielsweise), andere songs jedoch hätten beim finalen abmischen locker unterm tisch liegengelassen werden können. herausgekommen wäre dann eventuell eine einzige cd auf durchgehendem spitzen-niveau statt - wie nun - einer doppelten, die viel masse nebst einer ganzen reihe wunderbare höhepunkte in sich trägt. eine diskussion, die jedoch eh verdammt wenig früchte tragen dürfte. denn zu viele legenden von niemals veröffentlichten songs ach so großer songwriter pflastern unser aller weg und machen uns das schlafen, das denken und beizeiten selbst das atmen schwer. und in fast demselben maße nehmen auch unsägliche previous-unreleased-tracks"-compilations den ein oder anderen glänzenden schimmer von vormals unbefleckten künstlern. wie immer man es also macht als musiker, macht man es sowieso falsch.
zurück jedoch zu adams: der wird auf cold roses" zwar von den cardinals ( j.p. bowersock, cindy cashdollar, brad pemberton, catherine popper und singer/songwriterin rachael yamagata) unterstützt - von einer künstlerischen zusammenarbeit kann aber wohl nicht gesprochen und cold roses" somit bedenkenlos bei den anderen adams solo-platten einsortiert werden. was nicht heissen soll, dass nicht auch ein ryan adams von anderen künstlern beeinflusst worden sein dürfte. vor allem der album opener magnolia mountain" erinnert teilweise an beste grateful dead zeiten und liegt mit seinen melancholischen lyrics (if the morning don't come/ will you lie to me?/ will you take me to your bed and lay me down?") und den inzwischen adams-typischen rauen heulern sehr nah am grundgefühl eines box of rain" anno 1970.
und dass der bereits erwähnte back-to-country"-touch von ryan adams mit voller breitseite gefahren wird zeigt vor allem die tatsache, dass mit let it ride" der wohl countryhafteste track zur ersten single-auskopplung gemacht wurde. heulende steel-guitars und fast schon stolz vor sich hergetragene lyrics über tennessee und carolina mischen sich mit einigen fast schon crazy" zu nennenden auswüchsen auf der guitarre, die einen jeden morricone-western hätten schmücken können. da kann das alt." von alt. country" auch ganz gerne mal anschimmeln und abfallen. in der ein oder anderen variation durchzieht genau das im grunde jeden track, dieses lonesome cowboy"-feeling des modernen jedoch leicht orientierungslosen und vor allem tief verletzten mannes, der mit zweifelnder seele einem amerikanischen sierra nevada sonnenuntergang entgegenreitet.
alles in allem ist cold roses" also ein solides, hochqualitatives adams-album, dass jeder americana-fan als das beste adams-album seit heartbreaker" bejubeln werden wird. und auch wer nicht schon bei blosser nennung des begriffs country" von einer ganzen armada infektiöser krankheiten überwuchert wird, wird seine wahre freude haben daran.
großes ur-amerikanisches songwriting halt.- David Wonschewski -
www.kontrastradio.net

