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- Invasion of the Booty Snatchers

Schwarze Perlen, für Jäger verschollener Schätze
Dieses Album erschien zum ersten Mal 1979. Zu einer Zeit also, als funky music gerade im Zug der damals grassierenden Disco-Pop-Welle den Sprung in den Mainstream schaffte. Das Produzenten-Duo Bernard Edwards und Nile Rodgers (unter dem programmatischen Gruppennamen Chic), der Black Machismo-Pionier Rick James (dessen damals revolutionäres Image noch heute von Epigonen wie 50 Cent kopiert wird)
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und Der-Künstler-der-später-als-Prince-bekannt-werden-sollte landeten (neben anderen) ihre ersten Erfolge in den regulären Pop-Charts mit einer Musik, die bis dahin den Black Music- oder Dance-Charts vorbehalten war. Es dauerte dann nicht mehr lange, und weisse Popstars vom Kaliber Bowie, Jagger oder Debbie Harry fingen an, mit ihnen zusammenarbeiten oder ihren Stil schlicht nachzuahmen; das war dann trendy oder so.
Nichts davon für den (schon damals) Funk-Altmeister George Clinton und sein unter immer neuen Namen auftretendes Kreativ-Kollektiv. Parliament, Funkadelic, Bootsy's Rubber Band, wer steigt da durch? Wohl wegen des Meisters Hang zum Chaos und der von allen geteilten Devise, dass der Spass Vorrang vor dem Kommerz haben muss, verpassten Clinton & Co. ihre Aufstiegschance zum Megastar-Status, als der von ihnen so stark geprägte (und mit erfundene) Musikstil plötzlich unerhört hip war.
Zufall oder nicht, alle oben genannten Protagonisten hatten auch ihr Mädel-Trio, das teils als Chorsängerinnen, teils als Vorprogramm oder eigenständiger Act eingesetzt wurde: Sister Sledge, The Mary Jane Girls und Vanity Six (in derselben Reihenfolge). Clinton und Parliament hatten Parlet. Drei Longplayer erschienen in ebensovielen Jahren; der mittlere (und erste in der definitiven Besetzung) liegt hier als Re-Release vor. Clinton und Ron Dunbar produzierten und schrieben meistens die Songs, nicht zu unterschätzen ist aber der Anteil von "William Collins", wie der geniale Bassist Bootsy hier in den Credits heisst, an der musikalischen Ausgestaltung.
Verblüffend ist daran die musikalische Diversität und die Frische, die noch 25 Jahre nach den Aufnahmen von dem Material ausgeht. "Ridin' High", der Aufmacher und das kommerziellste Stück dieser CD, hätte damals leicht ein richtiger Hit werden können, könnte es auch heute noch werden, wenn man von der Laufzeit von siebeneinhalb Minuten mal absieht. (Yeah, right, wir sind auch im Geburtsjahr der 12-Inch-Single.) Ein typisches Bootsy-Bass-Riff, etwa "Flash Light" auf dancefloor-taugliche 125 bpm getrimmt, kristallklare Bläser und die Aufforderung zum Tanzen im Text, fertig ist der Party-Knüller. Dass ab und zu eine Töle den Rhythmus mitkläfft, ist als einzige Zeichen von Clintonesquer Abgedrehtheit eher dezent eingearbeitet. Typischer ist "No Rump To Bump", musikalisch zwischen Kinderreim und schrägem Jazz-Funk oszillierend, das textlich über die Körperlosigkeit von Computern ablästert, die auch noch "Booties" stehlen wollen. (Damals schon!) Wenn das Thema später in "Booty Snatchers" wieder aufgegriffen wird, jetzt im parodierten Post-Philadelphia-Disco-Sound mit plüschigen Streichern, dann sollen offensichtlich die damals so erfolgreichen weissen Disco-Produzenten wie Giorgio Moroder ihren Tritt vor das Schienbein bekommen. Computer und Synthesizer haben eben keinen Knackarsch. Hot stuff!
Die auf allen sechs Songs kongenialen Arrangements kontrastieren gelegentlich mit dem unorthodoxen Chorgesang der Parlet-Girls. Das schwächste, weil langweiligste Stück "You're Leaving" wird durch die ungewöhnlichen Vokal-Harmonien doch noch gerettet. Die grösste Überraschung ist aber eine Ballade. Was die handverlesene Band (u.a. Bernie Worrell an den Tasten, Donnie Sterling am Bass, Michael Hampton an der Gitarre und immer wieder "William Collins" an Gitarre-Bass-Drums) aus "Don't Ever Stop (Lovin' Me, Needin' Me)" macht, das MUSS man einfach gehört haben. Die an sich zwiespältige Hymne an die erotische Unterwerfung der Frau ("I'll be your robot", bietet sie an, "if that's what you want me to be") wird durch die Instrumentierung zum idealen Verführ-Soundtrack fürs Sofa veredelt. Konditor-Soul könnte man es nennen. Und mit dem aggressiven Funk-Rocker "Huff-N-Puff" (stampfender Rhythmus, synkopierter Basslauf, Refrains zum Mitmachen) zeigen sie dann noch ihre Meisterschaft in einer ganz anderen Disziplin.
So viel Spass und perfekt gemachte Musik, und alles total vergessen? Strandgut der Pop-Geschichte? Wie viel Stoff für Re-Issues lagert da noch im Keller? Fans dieser Musikrichtung sollten an dieser Wiederentdeckung nicht vorbei gehen.
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