



» Pantha du Prince
- Black Noise

Hörbar gemachte Stille
Von der trügerischen Idylle auf dem Cover zu Hendrik Webers (alias Pantha Du Prince) drittem Album darf man sich nicht täuschen lassen. Das Bild zeigt die pittoreske Kapelle St. Bartholomä am Westufer des Königssees. Aufgenommen wurde das Album jedoch in einem Dorf in den Schweizer Alpen, das vor 200 Jahren von einer Lawine verschüttet wurde. Passend in diesen Kontext fügt sich der
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Cartman
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Albumtitel "Black Noise" ein, der das für das menschliche Ohr unhörbare tieffrequente Bassbrummen vor Naturkatastrophen wie Tsunamis, Erdrutschen oder Erdbeben bezeichnet. Solche Frequenzen, die kaum wahrnehmbar sind, aber bedrohlich wirken und eine beklemmende Faszination ausüben, sind die Seele dieser Soundexpedition, auf der dieser Elektrotüftler und Laptopbastler immer einen explorativen Überraschungsmoment für den Zuhörer parat hält. Knochentrockene Realsounds zwischen Subtilität und Melancholie werden in einem Korsett aus anonymen Minimaltechno, abstrakten Ambient und Motiven ländlicher Mystik eingefangen. Die Grooves rollt er sukzessive wie einen Teppich aus. Darüber legt er dann seinen atonalen Noise. Die Synthielinien lässt er mit viel Reverb arbeiten und zerschreddert sie schließlich mit künstlichen Drumsequenzen. Angereichert wird diese Soundlandschaft mit hypnotischem Klacken und Glockenklimpern. Dazu klopft und hallt es eiskalt, als ob jemand in einem Resonanzkörper wie einer Kuppel oder einem Tunnel pulsartig mit dem Hammer gegen die Wand schlägt, was auf den Hörer immer eine ähnlich düstere und kryptische Wirkung entfaltet, wie man sie aus Lynch-Filmen kennt. Psychedelische Sounds wie das Starten eines Motors, das Knarzen von Bäumen oder die Töne von Flipperautomaten werden sorgfältig in die Tracks eingewoben. Unter diese reproduzierten Naturgeräusche legt er dann seine chilligen Beats und kreiert so elektronische Musik aus der Experimentalecke mit einer sehr dichten und authentischen Atmosphäre, mit der er sich bereits einen Namen in der Szene gemacht hat. Für Depeche Mode remixte er Lilian vom Playing The Angel Album und für Bloc Party den Track Signs. Jedes einzelne Stück des Albums lebt in seinem eigenen Mikrokosmos. Beim ersten Hören erfasst man nicht alles dieser Welten. Erst nach mehrmaligem Abtauchen offenbart sich die ganze Breite des Kontrastes der Klangtexturen. Die Balance aus natürlichen Field Recordings und künstlichen Electrosounds funktioniert auf dem knapp 70-minütigem Album, weil die Arrangements äußerst präzise durchdacht und aufgebaut sind.
Cartman
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