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- I am Kloot

Kloot is King
Schmuckloses schwarzes Cover, schlichte weisse Druckschrift. Vorne der Gruppenname, hinten die Songtitel. Weiter keine Informationen aussen auf der Hülle. Innen drin verwaschene Schwarzweissbilder der abgerissen aussehenden Akteure. Retro-Indie-Stil der frühen 80er, so könnte man das Artwork dieser CD beschreiben. Späte Dreissiger bekommen leuchtende Augen beim Gedanken an eine allzu kurze
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Zeit wilder Kreativität, als man jeden Monat "Scritti" las und wöchentlich beim Plattenladen die Neuerscheinungen von Gruppen mit ebenso bizarren Namen wie jetzt "I Am Kloot" begutachtete, als sich hinter jedem derart hermetischen Cover eine kleine Sensation verbergen konnte, als (damals) neue Independent-Labels mit Namen wie "Cherry Red" ihr künstlerisches Programm konsequent zu ihrer Identität machten, und als die allerbeste Musik überhaupt nur auf Cassetten in Mini-Stückzahlen vertrieben wurde.
Nicht nur die Cover-Gestaltung, auch die Musik von I Am Kloot könnte dieser Epoche vor zwanzig Jahren entsprungen sein. (Obwohl oder gerade weil sie frisch wie Quellwasser aus den Lautsprechern kommt und alles, aber nicht angestaubt wirkt.) Bei aller Vielfalt - der Stil dieser Band ist Freistil - ist der ästhetische Rahmen doch klar vorgegeben, und dies wie auch die Haupteinflüsse sind ein weiteres Bindeglied zur angesprochenen ersten Blütezeit der Indie-Szene. Byrds und Velvet Underground haben ihr Erbgut im Sound des Trios aus Manchester hinterlassen, vermutlich übertragen durch diverse Aussie- und Ami-Bands der 80er Jahre, quasi die Elterngeneration. Innerhalb dieses Rahmens wird mit den stärksten möglichen Kontrasten gearbeitet, wie beim Schwarzweiss des Covers. "From Your Favourite Sky" (mit einem lässig hingeschlenzten "Paint It Black"-Zitat im Intro) und "Here For The World" sind sanft-melodische, Rickenbacker-dominierte Tagträume wie aus Roger McGuinns Songbuch, "3 Feet Tall" ist lärmiger Sixties-Beat mit Gitarren und Background-Gesang à la Pete Townshend. "Proof" und "Not A Reasonable Man" sind dagegen akustische Solo-Einlagen von "Kloot"-Sänger, -Gitarrist und -Mastermind John Bramwell. An den äussersten Rand des Spektrums führen: "Mermaids" (schönste Syd Barrett/TV Personalities-Psychedelia, die wirklich in eine Unterwasserwelt entführt) und "A Strange Arrangement of Colour", ein angejazztes Stück im 6/8-Takt wie in Dave Brubeck's "Take Five". "Life In A Day" lässt mit wummerndem Schlagzeug und kreischenden Gitarrenriffs gar entfernte Assoziationen an die Geburt des britischen Hardrock aus dem Geist des Blues wachwerden. Drohende Gitarrenwände ragen düster auf und verbreiten eine unheimliche Stimmung in "Cuckoo", bevor dann im hypnotischen Abschluss-Song "The Same Deep Water As Me" dezente Strings, ein dräuendes Cello und ein einsames Englisch-Horn melancholische Abendstimmung verbreiten. Ähnlichkeiten mit den Go-Betweens-Klassikern "Quiet Heart" und "Dive For Your Memory" kann ich hier nicht überhören. Dies bitte als höchstes Kompliment verstehen!
Was bei diesem kalt-warmen Buffet aus erlesenen Pop- und Rock-Spezialitäten am auffälligsten ist, ist nicht einmal die Vielfalt, sondern die Tatsache, dass alles trotz der Ähnlichkeiten mit bereits Gehörtem taufrisch und originell wirkt. Das liegt in erster Linie schlicht an der Klasse der Songs, die mittels meist sehr schlichter Arrangements ("Deep Water" ist Ausnahme) intensivste Stimmungen eindringlich erfahrbar machen. Kommt hinzu, dass man die Texte durchweg als Lyrik bezeichnen kann, und man kommt zu dem Fazit: Von dieser Gruppe wird man noch viel hören. Will man auch! Und der geheimnisvolle "Kloot", wer immer er auch sein mag, kann mächtig stolz sein, dass sich gerade diese Band nach ihm benannt hat.
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