Thomas Godoj- eine mögliche Sicht auf das neue Album RICHTUNG G
(26.11.2009)"Was das Herz bewegt, das strömt in Tönen aus.; und was als Ton draußen erklingt, das beeinflusst wieder das Herz innen.“ (Lü Bu We ca. 300 v.Chr. - ca. 235 v.Chr.; chinesischer Kaufmann, Politiker und Philosoph)
Mit diesen Worten eines weisen Mannes vor unserer Zeit stimmt uns das Booklet auf das Album mit seinen Texten und Melodien ein, ein Booklet, das wiederum mit dem Dank an alle, die Thomas Godoj auf dem Weg in Richtung G begleitet und unterstützt haben, abschließt.
Knalliges Orange als Frontfarbe, die ins Auge sticht. Der Kompass mit dem G im Zentrum wirkt wie ein Labyrinth, das Auswege und Sackgassen aufweist, so wie sie auch gelebtes Leben für jeden bereit hält. Feedback Media Design hat das Ganze aufgepeppt mit künstlerisch gestalteten Fotos, die durchaus die zu erwartenden Stimmungen des Albums einfangen und zu gefallen wissen.
Richtung G wie Godoj- betont hat der Hauptakteur des vorliegenden Albums diese gewünschte Titelinterpretation immer wieder: „Wo Godoj drauf steht, ist auch Godoj drin!“
Andere Interpretationsräume bieten sich an, wenn man sich die Texte genauer hernimmt: G wie Glück Gehabt; G wie Gib nicht auf!; G wie Gefühl; G wie Geh deinen Weg!; G wie Geht Ganz tief rein; G wie Glaub an dich!; G wie Geradlinig; G wie Gute Laune; G wie Geduld Gehabt, danke, liebe Fans; G wie Geschenk…ja, G wie Ganz viel Herzblut steckt in diesem Projekt, das viel mehr seine Handschrift tragen soll als das Debütalbum PLAN A, für das die meisten Songs bereits fertig geschrieben waren.
Schon beim ersten Hören stelle ich fest: Er hat nicht zu viel versprochen, überwiegend Texte in deutscher Sprache- so hatte ich mir das gewünscht- drei englische und erfreulicherweise ein auf Polnisch interpretierter Titel komplettieren das 13 Songs umfassende Angebot. 13- eine Glückszahl- und wieder das G.
Godoj hat an allen Texten mitgewirkt, hat ein mehrtägiges Songwriter- Meeting einberufen und daran seine Bandkollegen beteiligt, hat seine Ideen und Vorstellungen dargelegt, die dann in lyrische Form gebracht wurden. Wie es scheint, durchaus ein Erfolgsrezept, denn die meisten Texte haben Wiedererkennungswert, laden zum Nachdenken, Mitfühlen, zum Träumen ein. Der Kenner der Materie findet zum Teil die Erfahrungen des Protagonisten in den letzten Jahren darin wieder, aber auch seine ganz persönlichen, trotzdem sind die Songs keine reine Autobiografie, denn Themen wie die Suche nach dem richtigen Weg im Leben, ja sogar nach einem Plan, dem Mut, etwas zu wagen, wie Anspruch auf Selbstverwirklichung, jung und frei zu sein, sowie auf Anerkennung, Liebe und Glück sprechen sicher jeden an, der sich auf diese Songs vorurteilsfrei einlässt. Dabei ist nicht alles tiefgründig, gar pathetisch, man spürt an einigen Stellen auch das Augenzwinkern und das sich selbst nicht so ganz ernst Nehmen.
Textlich aus diesem Rahmen fällt für mich „Winterkinder“, ein Lied, das bereits vor mehr als 5 Jahren mit Thomas Godojs Bandprojekt WINK entstanden ist und trotz der schwierigen Thematik Kindesmissbrauch einen berechtigten Platz auf diesem Album gefunden hat, für mich eine Fortsetzung der Livekonzerterfahrung mit Thomas Godoj & Band, problemhafte, gesellschaftlich relevante Themen nicht auszusparen wie in „Explosion“, übrigens auch ein WINK- Titel.
Zu den Details: Krachende Gitarren, energischer Sound, teilweise ein umwerfender Groove, abwechslungsreiche Beats, mal rockig, mal die gefühlvolle Ballade, eine geglückte Gratwanderung zwischen Mainstream und Anspruch, und natürlich Thomas' intensiver, gefühlvoll- abwechslungsreicher Gesang machen für mich "RICHTUNG G“ zu einem musikalisch sehr gelungenen Longplayer. Hier hat sich ein Sänger auf seine Stimme eingelassen- kein elektronisch verzerrter Discosound, wenig Verfremdung der natürlichen Gabe durch unnötige Halleffekte im Vergleich zum 1. Album. Kompliment an die Damen und Herren, die den Sound gemixt haben. Vereinzelt stört mich allerdings der fast hymnenartig erscheinende Choral- upps Chorgesang im Backround. Aber das ist sicher Geschmackssache…wie alles bei der Musik- und Textinterpretation von der individuellen Gefühls- und Gedankenwelt des Hörers, des Betrachters gesteuert wird- kurz gesagt: Entweder es gefällt oder eben nicht…
Den Auftakt bildet ein Zettel mit „Notizen“, da sucht jemand doch nach einem Plan- muss ja nicht unbedingt Plan B sein- um das ihn umgebende Chaos wieder zu beherrschen. Wem geht das nicht auch oft so, dass er ohne die berühmten kleinen gelben Klebchen irgendwie die Dinge, die zu erledigen sind, vergisst? Tage voller Hektik, an denen man das Gefühl hat, zu gar nichts zu kommen. Zusammengefasst in dem vielseits überstrapazierten Wort Stress! Eigentlich ein recht lustiger Text mit einer Portion Selbstironie, denn welcher Konzertbesucher erinnert sich nicht an so manchen Texthänger, bei dem so ein Zettelchen durchaus hilfreich gewesen wäre. Entschuldigung akzeptiert! Und doch ist dieser Text gespickt mit kleinen Lebenserfahrungen, dass man ohne das sich Erinnern an gesteckte Ziele, durch ein in den Tag Hineinleben irgendwie nicht voran kommt. Der Song gefällt mir, schöne Melodie, abwechslungsreich im Rhythmus und im Refrain durchaus rockig. Gut zum Mitsingen! „Nicht allein“, mit diesem Gute- Laune- Song „Zwischen Herzblut, Leid und Glück“
hatte ich vom ersten Moment an meine Probleme, hatte ich doch nach fast einem Jahr etwas rockigeres mit textlicher Tiefe erwartet. Liegt vielleicht aber auch daran, weil es mich irgendwie an „Allein, allein“ von Polarkreis 18 erinnert, einen Song, der in den Medien rauf- und runter gespielt wurde, so dass man ihn am Ende gar nicht mehr hören konnte, bekanntlich stammt der ja auch aus der Feder von Axel Bosse & Jochen Naaf. Einige Songs auf diesem Album erscheinen mir für eine Singleauskopplung durchaus würdiger als diese getroffene Auswahl. Sicher aber eine Hommage an die Fans, denn die Aufnahme mit den Chorgesängen dieser beim Videodreh klingt authentischer als die aus dem Studio. Ein Mitklatsch- und Mitsingsong, der auf den Konzerten bestimmt für beste Stimmung sorgen wird und vielleicht entwickelt sich dieser Song ja noch, fällt den Musikern, die Thomas Godoj seit dem letzten Jahr ebenbürtig zur Seite stehen, noch ein rockigeres Arrangement ein, so dass sich eine Sympathie meinerseits für diesen Song noch einstellt. Dann kann auch ich sagen: „Ich war dabei!“
Ein sehr persönliches Fazit des Sängers findet sich in Song Nr. 3 „Starschnitt“ wieder, scheinbar eine Fortsetzung des Liedes „Plan A“ vom 1. Album. Ein Neologismus für das Erlebte und Gefühlte als STAR, SUPERSTAR, eine Bezeichnung, mit deren Definition Thomas Godoj von Anfang an Probleme hatte. Was es bedeutet, von Null auf Hundert, von einem nur der lokalen Szene bekannten Musiker zu einer auf Glanzfotos und Titelblättern abgelichteten öffentlichen Person zu werden, vor tausenden von Konzertbesuchern wie bei Stars for free, The Dome oder unterm Brandenburger Tor aufzutreten, von Fernsehshows zu Radiointerviews gereicht zu werden, kann wohl niemand von uns nachempfinden. Haifischbecken Musikbusiness- ein Flugzeug, das man nicht lenken kann, eine Welle des Erfolgs, der Sympathie, die einen mitreißt…Schnitt.
Und doch kommt bei all den Zweifeln das Kämpferherz zum Vorschein. Den Traum, den er träumt, seitdem er denken kann, wird er jetzt nur noch mit harter ehrlicher Arbeit verwirklichen, Schritt für Schritt immer mehr in Richtung G. Mit diesem Album ist ein guter Anfang gemacht.
Übrigens toll gesungen von Thomas Godoj, super Gitarrensound, im Refrain rockig, hier erkennt man die Handschrift seines Gitarristen Renè Lipps durchaus wieder. Leider aus meiner Sicht völlig daneben ist der Backroundgesang, die Stimmen lassen das Ganze am Ende etwas ins Sentimentale abgleiten. Cut! Die 3 englischsprachigen Songs sind gefühlvolle Balladen, die hauptsächlich die Liebe thematisieren.
„Cocoon“, eine wunderschöne Ballade mit viel Poesie, eine der schönsten, die ich in letzter Zeit gehört habe…eine verletzte Seele, die sich in sich zurückgezogen hat, in ihrem Kokon Kraft sammelt, dann die Flügel aufspannt und in die Freiheit fliegt. Ja, es gehöre zum Leben dazu, so das lyrische Ich, dass die Seele verletzt werde und dass sie trotzdem sie selbst bleiben und über sich hinauswachsen könne. Man gehe aus diesen schweren Zeiten gestärkt hervor. Die Dinge brauchen Zeit… in jedem Samenkorn steckt das Gute, aber auch das Schmerzhafte, in jedem Samen steckt immer etwas Wunderbares (ein neues Leben). Klingt fast kitschig, aber Thomas singt diesen Song so gefühlvoll; Piano, Streicher und herzzerreißende Gitarrenklänge begleiten in dezent dabei und lassen den Zuhörer versinken in eine ganz eigene Welt.
Über „Walking with you“ muss man inhaltlich nichts sagen, der Song ist einfach nur schön, was zum Träumen, was fürs Herz. Und wodurch? Hört euch diese Stimme an! Kein weiterer Kommentar nötig.
Zu Track Nr. 4, „Where did your love go wrong“ finde ich am wenigsten eine Beziehung, abwechslungsreiche Tempi…Refrain und Zwischenspiele rockig, eben ein netter Song, der den positiven Gesamteindruck des Albums nicht stört …und das Lachen am Ende…wer nimmt sich da selbst nicht ernst? Nun meine Hitparade:
„Zehn- Meter- Brett“, ein Text, der Mut macht, im Leben auch Risiken einzugehen, denn ob der Schritt, nein der Sprung ins kalte Wasser ein Fehler war, merkt man erst, wenn man ihn gewagt hat. Genialer Text, dramatische Musik, passendes Arrangement, toller krachiger Gitarrensound…beschreibt genau mein Erlebnis mit 13 Jahren auf dem Zehnmeterturm und v. a. mein bisheriges Leben… nicht nach unten seh`n, du wirst nicht untergeh`n…nicht in diesem Leben…der Song wird live bestimmt zu meinen Favoriten gehören und ich werde den Text lernen bis zur Tour und dann haut ihr rein bei diesem Song mit Trommel-, Tasten- und Saitenwirbel…
„Alles, was nicht existiert“… wie klingt das in der Studioversion? Konzertbegleiter der Band kennen und lieben den Song, der auffordert, an sich zu glauben, sich zu trauen, bisher nur in der Liveversion mit und ohne Strom, haben seine Entwicklung auf der Tour miterlebt.
Endlich, die Band, die ich persönlich im Gesamtpaket auf dem gesamten Album erwartet hatte…tolle Version…diese Drums und Gitarren kennt man…und endlich verstehe man mal jedes Wort im Text, Klasse und absolut rockig gesungen, so will ich es hören, genauso…genial! Von dieser Rockpower wünsche ich mir auf dem 3. Album noch viel mehr.
„Schnee von gestern“- schöner, auch nachdenklicher Song von Christian Bömkes, dem Freund, und Thomas Godoj, gefiel mir erst nach mehrfachem Hören…hoffentlich kein Abgesang an die Vergangenheit, an die so unbekümmerte Jugendzeit, an die Träume…Etwas Wehmut schwingt in den Strophen mit, Erinnerungen an Erlebtes, Unwiederbringliches, vielleicht geplatzte Träume, der Refrain schlägt diese Nachdenklichkeit in den Wind, rockiger Instrumentalteil und auch hier hätte ich gern auf den Chorgesang verzichtet.
„Zwykla Milocz“- einfach Liebe- was soll man dazu noch sagen- ein Song wie schon das Konzerthighlight „Urke“ aus der Feder von Robert Gawlinski, Sänger und Gitarrist der in Polen sehr erfolgreichen Rockgruppe Wilki (Wölfe). Sprachlich geht Thomas Godoj zurück zu den Wurzeln und auch wenn man den Text nicht versteht, der über den Kampf um die wahre Liebe bei aller Widersprüchlichkeit der Partner, bei allen Zweifeln, mit allen Widrigkeiten des Lebens erzählt und die immer wieder gestellten Fragen nach dem Glück und wie man es ein Leben lang festhalten kann aufwirft, und als Antwort lediglich bleibt, dass da nur ein Wunder helfen kann, so ist es doch ein wunderschöner, sehr melancholischer Song, sensibel und berührend interpretiert mit traumhaft schönen Gitarren- und Pianoklängen- ein gelungener, klangvoller Abschluss des Albums.
„Winterkinder“- tiefgreifender, an die Nieren gehender Text über Kindesmissbrauch, der Kindern die Seele, die Zukunft raubt, ein Aufruf, nicht wegzusehen, jedes Kind zu beschützen. Neues Arrangement, musikalisch in den Strophen zurückhaltend, der Refrain dafür um so intensiver, keine warmen Klänge, schroff und Kälte ausstrahlend.
Meine beiden absoluten Nr-1- Hits, die ich gern als Singleauskopplungen gesehen hätte, aber was nicht ist…: „Uhr ohne Stunden“- eine Ballade voller Poesie über die Zeit, eine Zeitreise in die Zeit, durchsetzt mit vielen Fragen, die das Leben schreibt, danach, ob die Zeit für all das reicht, werden wir was bewegen, wo kommen wir an, haben wir was gewonnen. Fragen, die niemand beantworten kann…nur die Zeit. Am Ende das Fazit: Wir sind nur nicht mehr gewohnt, dass Zeit sich lohnt. Darüber sollte jeder für sich selbst reflektieren, wie er mit seiner Zeit, mit seinem Leben umgeht, keine Rezepte, eigentlich immer wieder nur Fragen…viel Freiraum für eigene Assoziationen. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: traumhaft schöne Akustikgitarre und sensibler, weicher Streichereinsatz in den Strophen. Im Refrain und im instrumentalen Zwischenspiel lassen die Gitarristen Sebastian Netz und Renè Lipps ihre Stromgitarren aber so richtig schwingen. Dass da noch ein sich steigerndes Streichinstrument ist, habe ich erst viel später wahrgenommen. Hier gefallen auch die Backing Vocals sehr gut. Falls es bei den bevorstehenden Livekonzerten wieder einen Akustikteil geben sollte, der Song wird sicher ein Highlight darin, wobei dann die faszinierenden E- Gitarren fehlen könnten.
Das „Stückchen Ewigkeit“ - ganz anders, schwungvoll- rockig angelegt, hier gibt es für mich zwei Protagonisten, den Frontmann Thomas Godoj mit der auf seine Stimmlage voll eingestellten Komposition, und die Drums von Schlagzeuger Torsten Bugiel. Was für eine Power!
Da steckt 100%ig das gesamte Godoj- Team drin, zumindest musikalisch- instrumental- textlich…da erkennt der Kenner die komplette Band wieder- und ich betone es gern noch einmal, ich hätte mir das komplette Album mit diesen Musikern eingespielt gewünscht- …was diese Musiker hier in Text, Musik und Arrangement beschreiben, haben Wiederholungstäter auf den Konzerten -zig Mal auf der Bühne live erlebt, gebündelte Energie, Kreativität, ungebändigte Spielfreunde, geschlossene Augen, sich in die Musik fallen lassen…man hat es selbst jedes Mal nach diesen Konzerten empfunden: „Wenn ich dann ins Bett fall und mein Dauerlächeln immer noch spüre und die Augenblicke in mir festhalte, weiß ich, dass mir diese Erinnerungen, Gefühle niemand mehr nehmen kann, Augenblicke, die mich tief berührt haben … Lebenselixier.“ Habe ich mit den Worten eines weisen Mannes vor unserer Zeit begonnen, so will ich mit eben solchen von ihm abschließen: „Alle Musik wird geboren im Herzen der Menschen."
Dieses Album ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, es macht Spaß, lässt dabei keine Gefühle außen vor. Unverwechselbarkeit, Ehrlichkeit, eine tolle Stimme, überwiegend gute Texte, abwechslungsreiche Arrangements, vielseitige Instrumentierung, all das macht es zu einer lohnenswerten Investition auch für (noch) Nichtfans.
Herzlichen Glückwunsch, Thomas! Danke für dieses Album, für dieses G wie Geschenk. Ich freue mich auf eure Liveauftritte. Ich bin dabei! Tourbeginn: 05.12.2009 in Recklinghausen; Karten bei eventim
PS: Eine Albumrezension gehört eigentlich nicht hier in die News, aber das Hochladen von Albumkritiken ist auf dieser Seite unter der dafür vorgesehenen Rubrik seit Monaten nicht mehr möglich. Diese Baustelle scheint keiner zu reparieren. Schade!

