Thomas Godoj & Band- Spielfreude pur
(07.12.2009)Am 05. und 06. Dezember standen Thomas Godoj und seine 5-köpfige Band wieder in Recklinghausen auf der Bühne der Vest Arena mit seiner neuen Tour Richtung G, die die Musiker noch in 8 weitere Städte Deutschlands führen wird.
Ein Tourauftakt, wie man sich ihn schöner nicht wünschen kann. Ein Wechselbad der Gefühle für den Sänger, die Musiker und die Konzertbesucher. Die mit Spannung erwartete Setliste bot alles, im Mittelpunkt standen natürlich die neuen Songs des am 20.11.09 veröffentlichten Albums Richtung G, von den 13 Songs des Longplayers hat die Band in demokratischer Abstimmung, worauf die Musiker selbst in einem Interview während der Proben hinwiesen, 12 Stücke ausgewählt, komplettiert durch die „B- Seite“ der kürzlich veröffentlichten Single „Auf den Beinen“ und den nur als Download zu erhaltenden Song „Von allem etwas“. Vom ersten Album gab es „Morning sun“, neu arrangiert und richtig rockig, die von den Fans geliebte Unplugged- Version von „Autopilot“, sowie die die Konzertkracher „Let it be“ und „Helden gesucht“. Und es fehlten auch nicht die erhofften Songs von WINK, der ehemaligen Band des Sängers, des Gitarristen Sebastian Netz und Drummers Torsten Bugiel, „Liebe zur Sonne“ und „Explosion“- immer wieder Konzerthighlights.
Aber was waren eigentlich die Highlights dieser 2-stündigen Performance? Waren es die rockigen Dauermomente, in denen die Halle bebte, ja kochte wie beim Opener „Stückchen Ewigkeit“ mit Introcharakter, bei dem die mehr als 1000 Leute vom ersten Ton an richtig abgingen, gar nicht mehr aufhörten mitzusingen und zu rocken, was das Zeug hält, weil gleich noch „Alles, was nicht existiert“ nachgeschoben wurde? Waren es die kurzen Atempausen bei den von Thomas und Christian Bömkes textlich und musikalisch gestalteten Liedern „Von allem etwas“ oder „Schnee von gestern“? Waren es die trotzigen, voller Kraft und Intensität gesungenen Songs „Zehn- Meter- Brett“ und „Starschnitt“, die ganz emotionalen mit „Cocoon“, „Walking with you“ oder „Zwykla Milosc“, in denen die Stimme des Sängers ganz im Mittelpunkt stand, oder die ganz persönliche Liebeserklärung des Papas an seine kleine Tochter im Akustikteil „Auf den Beinen“? Waren es die voller Erinnerungen steckenden WINK- Titel „Explosion“ und „Liebe zur Sonne“? Oder die nachdenklich stimmende Frage, ob Zeit sich lohnt in „Uhr ohne Stunden“ oder die mit einem Augenzwinkern besungene Suche nach dem „Zettel mit Notizen“, oder vielleicht die Partyknaller „Let it be“, „Nicht allein“ und „Helden gesucht…? Diese Entscheidung muss wohl jeder für sich selbst treffen.
Es brodelte von Anfang an in der Vest Arena und das steigerte sich von Song zu Song. Am 2. Abend sogar noch mehr. Es war ein Wechselbad der Gefühle, von Feuerwerk bis zum von eisigem Schweigen begleiteten Lied „Winterkinder“, für mich der emotionalste Moment des Abends- vorbereitet durch für sich sprechende Zahlen und Fakten des Hilfsvereins Dunkelziffer e. V. über Kindesmissbrauch und Kinderpornographie, auf einer Videowand eingeblendet, unterlegt mit einem zum Thema passenden längeren, sich in seiner Spannung steigernden Intro, von Thomas voller Sensibilität gesungen, von der Band musikalisch dezent zurückhaltend begleitet. Die Botschaft, jeden Menschen für dieses viel zu oft todgeschwiegene Thema zu sensibilisieren, schien angekommen zu sein. Betroffene, versteinerte Gesichter, sich an den Händen haltende Menschen sprachen für sich.
Die Show war als Gesamtpaket super abgestimmt, wechselnde Farbspiele der routierenden Scheinwerfer, grell gleißendes, kaltes weißes Lichtflackern, wenige Videoeinspieler passend zu den Texten und immer im Hintergrund das Logo Richtung G.
Und wo Godoj drauf steht, war auch Godoj drin. Der Sänger interpretierte seine Songs mit kraftvoller Stimme voller Intensität und großer Emotionalität, seine Mimik und Gestik ließen erkennen, dass er hinter jedem Wort, das er sang, steht, denn es sind seine Gedanken, Positionen und Gefühle, die die Texte in sich tragen. Er war lebendig auf der Bühne, ohne zu übertreiben, es passte scheinbar alles, die Interaktionen mit den Fans, die musikalische Wanderung durch die Massen bei „Let it be“ und „Helden gesucht“, die Aufforderungen mitzuspringen und mitzusingen, sowie mit seinen Musikern, die zu explodieren schienen. Spielfreude pur schwappte wellenartig von der Bühne ins Publikum von einer Band, die weiter gereift ist, Qualität liefert, in ihrer Kreativität scheinbar keine Grenzen kennt, denn alle Songs waren in tolle Arrangements gepackt, die voller Überraschungen waren. Klasse gespielt von TastenGeist Daniel, Drummer Torsten Bugiel, den Gitarristen Sebastian Netz und Renè Lipps und dem Bassisten Bonny G. Assan, letztere haben Thomas auch gesanglich top begleitet, diese Stimmen passen einfach zusammen, men`s power pur.
Der Sprung vom Zehn Meter Brett ist gelungen, sie sind aufgetaucht und werden nicht untergeh`n, weil sie an sich glauben, selbst die höchsten Ansprüche an sich stellen und diese voller Energie mit Leben erfüllen. Das steckt an. Sie sind wieder da, in ein neues Licht getaucht und es sieht aus, als wären sie wieder wer, von allem etwas, etwas mehr…ein neuer Tag, ein neues Meer.
Was bleibt ist ein Stückchen Ewigkeit, die so viele gute Momente spüren ließ, in denen Thomas mit seiner Band nicht allein war, zwei Konzertabende, in denen man sich eine Uhr ohne Stunden gewünscht hätte.
Viel Erfolg für die noch folgenden 8 Konzerte in Köln, Nürnberg, München, Stuttgart, Dresden, Hamburg, Berlin und Mannheim. Wer noch keine Karte hat, sollte jetzt noch zuschlagen, es lohnt sich wirklich, denn kritische Stimmen habe ich an diesen Abenden nicht vernommen. Setliste: 1 Stückchen Ewigkeit2 Alles was nicht existiert3 Von allem etwas4 Zehn-Meter-Brett5 Schnee von gestern6 Explosion7 Morning Sun8 Cocoon9 Liebe zur Sonne11 Interlude Akustikset10 Auf den Beinen11 Autopilot Videoeinspiel 12 Winterkinder13 Uhr ohne Stunden14 Starschnitt15 Notizen16 Zwykla Milosc17 Let it Be Zugaben18 Walking with You19 Nicht allein20 Helden gesucht
Danke den Künstlern, die auf der Bühne agierten, den Mitgliedern der Crew für den satten Sound und das perfekt organisierte Drumherum unter Leitung von Dany, den Mitarbeitern der Vestarena um ihre Chefin Frau Roß, der Mannschaft der Securityfirma um ihren Chef Martin sowie der Bookingagentur Four Artists, die das erfolgreiche Gesamtpaket geschnürt haben.
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