Offener Brief: Contra Dieter Bohlen - Pro Thomas Godoj
(18.11.2008)Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant, deutscher Philosoph und Aufklärer) Ein Interview mit Herrn Dieter Bohlen in der jüngsten Ausgabe der BRAVO haben mich zu folgendem Brief veranlasst:
Sehr geehrter Herr Bohlen,
obwohl ich altersmäßig weit davon entfernt bin, die BRAVO zu lesen bzw. besser formuliert, diese anzuschauen (ich bin nur 2 Jahre JÜNGER als Sie), oder mir Poster über`s Bett zu hängen, fühle ich mich veranlasst, Ihnen ein paar Gedanken zu Ihrem letzten Statement in dieser Teeniezeitschrift mitzuteilen.
Sie äußern sich hier zu vergangenen Gewinnern der RTL- Show DSDS. Vor allem Ihre Aussagen zu dem Künstler Thomas Godoj haben mich persönlich gestört und ich möchte Ihnen dazu gerne einige Gegenargumente darstellen.
Sie sprechen davon, Thomas Godoj habe „einfach kein Star-Appeal", Sie verwenden hier einen Neologismus, denn dieses Wort gibt es weder in einschlägigen Lexika noch im World Wide Web. Was verstehen Sie darunter? Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, Künstler oder Starlets, Sternchen, what ever…? Meinen Sie Leute, die kamera“geil“ auf rote Teppiche besessen sind, von Event zu Event hetzen, um gesehen zu werden, Leute, deren Schlagzeilen sich nur mit Skandalen und Skandälchen beschäftigen? Wenn diese Definition hinter Ihrer Bezeichnung steckt, dann bin ich sehr froh über Ihr Urteil bezüglich Thomas Godoj. Dann gebe ich klar zu verstehen, ich stehe 100%ig hinter Ihrer Aussage.
Wenn Sie aber damit meinen, dieser Sänger habe kein Format, keine Ausstrahlung, könne keine Menschen mit seiner Musik in seinen Bann ziehen, verhalte sich nicht menschlich, sondern affektiert und abgehoben…ich könnte diese Kette fortführen, dann muss ich Ihnen entschieden widersprechen.
Ich habe Thomas persönlich mehrfach auf und vor der Bühne erleben dürfen, ja dürfen, und das halte ich für ein Geschenk, das ich auch am Anfang Ihnen zu verdanken habe. Dafür meinen Respekt, Sie haben ein Juwel für die deutsche Musikszene gefunden.
Aber was Thomas in den letzten Monaten auf die Beine gestellt und gezeigt hat, hat mit DSDS gar nichts mehr zu tun. Haben Sie mal eines seiner Konzerte besucht? Haben Sie erlebt, wie er von der Bühne aus die Menschen mitreißt, sie verzaubert und ihre Augen zum Leuchten bringt, wie er jede Zeile seiner Lieder lebt? Haben Sie einmal in die Unplugged- Versionen seiner Songs hineingehört, um Ihr Urteil zu fällen? Haben Sie seine Band kennen gelernt, alle fünf Musiker sind Virtuosen an und mit ihren Instrumenten, sie sind kreativ und intensiv in ihrem Spiel und sie sind, und das halte ich für die wichtigste Grundlage, seine Freunde. Diese Basis gibt ihnen Kraft, Mut, ihren Weg zu gehen und Neues auszuprobieren.
Sie sagen in der BRAVO, sein Album- übrigens nicht Helden, sondern PLAN A- sei nicht gut gewesen. Ja, so haben sich dann mehr als 200 000 Käufer geirrt, merkwürdig nur, dass die Bestellungen zur PLATIN Ausgabe dieses Albums gerade auf vollen Touren laufen.
Sie meinen, Thomas sei ein schwieriger Künstler. Ja, das ist er. Er passt in kein Schema, kein vorgefertigtes Format, er redet Leuten nicht nach dem Mund, hat seine eigenen Ideen und Ziele. Da kann ich nur sagen: BRAVO, mehr von solchen selbstbewussten jungen Menschen, die wissen, was sie selbst wollen, nicht irgendwelchen Idolen nachjagen und damit ihre eigene Individualität vergessen zu entwickeln, weil sie so sein wollen wie andere, ein Abziehbild.
Thomas ist eine Persönlichkeit mit eigenem Willen, der sich durchaus beraten lässt, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, aber nicht so genannte Ratschläge bedingungslos umsetzt und dabei seine eigenen Wertvorstellungen verliert. In der deutschen Literatur gab es Stürmer und Dränger namens Goethe und Schiller, in der Musik gab es Rebellen wie die Mozart, Bob Dylon oder Bruce Springsteen, in der Malerei unendlich viele Künstler, die andere Wege beschritten haben, als der jeweilige Zeitgeist ihnen vorgab (Mode), das sind heute alles Klassiker. Ich will nicht zu hoch greifen mit diesen Beispielen, Thomas steht mit seiner Band erst am Anfang, aber was diese Künstler allesamt auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie ihren eigenen Ideen, Werten und Phantasien folgten, sich von Altbewährtem trennten und neue Wege beschritten. Das ist übrigens auch der Grundstein für wissenschaftliche Erkenntnisse in der Menschheitsgeschichte.
Zurück zu Ihren Positionen Thomas Godoj betreffend, sie meinen, Thomas stehe sich selbst im Weg, er sei in sich gekehrt und habe keine nutzbaren Wertmaßstäbe.
Dem kann ich nur widersprechen, da ich es genau umgekehrt erlebe, im Gegenteil, gerade seine Offenheit gegenüber den Freunden seiner Musik- ich benutze absichtlich nicht die Bezeichnung Fans- seine Zielgerichtetheit, seine große Menschlichkeit sind das, was uns neben seiner fantastischen Stimme begeistert.
Herr Bohlen, ich besuche seit 30 Jahren Rockkonzerte, sie sind nicht mehr zählbar, ich habe solch eine Nähe, Offenheit und den Menschen zugewandte Art von einem Rockkünstler noch nie erlebt.
Nein, ich möchte keinen Star weit entfernt vom Leben und den Menschen, sondern einen Künstler, der anderen etwas zu geben und zu sagen hat, der sie begeistern, mit ihnen lachen und auch weinen kann, der Fehler hat und Stärken, eben einen von uns ohne künstliche Distanz. Die von Ihnen wohl gemeinten Menschen, die so genannten Stars, sind nämlich am Ende selbst sehr sehr einsam und das wünsche ich Thomas auf gar keinen Fall.
Sie sagen, dass Sie für die nächste DSDS- Staffel „auf ein Talent, bei dem Stimme, Optik und Ausstrahlung geil sind", hoffen. Nun, das ist nicht gerade mein Sprachstil, aber ich sage Ihnen, dieses Talent haben Sie bereits gefunden.
DANKE dafür und dass Sie mit Ihren Äußerungen dafür sorgen, dass Thomas und seine Band nun noch mehr von Ernst zu nehmenden Musikportalen wahrgenommen und respektiert werden. Ein Lob aus Ihrem Mund heute, nachdem Sie mit Thomas die erfolgreichste DSDS- Staffel verbuchen konnten, jetzt bereits die neue promoten, hätte mich stutzig gemacht.
Thomas hat den DSDS- Stempel spätestens mit seinem Song und Video „Helden gesucht“, abgewaschen und mit dem neuen Lied und Videoclip „Autopilot Unplugged“ noch nachgelegt.Er wird seinen Weg gehen auch ohne Ihren Zuspruch oder gerade deshalb.
Entschuldigen Sie meine Offenheit, aber Sie dürfen Ihre Meinung überall lesbar kundtun, dieses Recht nehme ich mir auch heraus, da ich ein Mensch mit Selbstbewusstsein, persönlicher Meinung und eigenen Wertvorstellungen bin, der täglich mit jungen Menschen zu tun hat und diesen dabei helfen kann, ihren eigenen Weg im Leben zu finden, eigene Erfahrungen zu sammeln. Ich wäre stolz darauf, wenn Thomas Godoj einer von ihnen gewesen wäre.
Ruhm ist schnelllebig in unserer Zeit, Werte wie Zielstrebigkeit, Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit, Selbstbewusstsein, Menschlichkeit von Dauer. HochachtungsvollElke B.
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