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Giants of Rock im Dreier- Pack - Songs von Genesis, Bruce Springsteen & Queen

(27.01.2009)

Giants of Rock- der Name ist Programm! So verspricht es die Werbung des Veranstalters, dem Phono- Forum der Stadt Menden im Sauerland. Was unter den Originalen nie mehr stattfinden könnte, sollte am 24.Januar 2009 von 3 renommierten deutschen Coverbands auf der Mendener Wilhelmshöhe möglich gemacht werden. Das Rockfestival mit den Heros der 70er und 80er- bei Bruce Springsteen kann man wohl mit Recht behaupten: bis in die Gegenwart- sollte ein mitreißendes Showprojekt werden.

Angekündigt waren: The Path of Genesis, Bosstime als Bruce Springsteen Coverband und die Queen Revival Band. Die Bandauswahl sollte „Back to the Roots“ garantieren, denn jedes Bandmitglied dieser 3 Musikergruppen will das Publikum auf eine Zeitreise mitnehmen, die Songs so originalgetreu und authentisch wie möglich rüberbringen und einfach Spaß mit den Rockfans haben.

Die Lokalität liegt auf einer Anhöhe mit Blick auf die kleine beschauliche Stadt Menden, ist ein wunderschöner alter Bau, der mitten in einem Park gelegen und romantisch angestrahlt sehr einladend wirkte. Erste Rockliebhaber haben sich bereits vor 18:00 Uhr im Eingangsbereich versammelt, um 19:00 Uhr sollte es mit Songs von Genesis aus den 70ern losgehen. Der Innenbereich bietet einen sehr nostalgischen Anblick, Balkone mit weißer fachwerkartiger Verkleidung, schummrige Beleuchtung, eine recht große Bühne mit viel Equipment der folgenden Bands, immens viele Scheinwerfer und ein riesiger Barbereich lassen die Erwartungen auf den heutigen Abend noch ansteigen.

Pünktlich 19:00 Uhr kündigt ein Moderator die erste Band der 4. Nacht of Giants in Menden an. Viel Nebel entsteigt den Maschinen, vorne am Bühnenrand wird die Luft knapp. Mit hymnenartiger Musik angekündigt betreten die Musiker der Genesis- Cover- Band die Bühne. Gespielt werden Genesis- Songs aus den 70ern, vorwiegend aus den Alben von Foxtrot bis A Trick of the Tail. Schwerpunkt liegt bei The Lamb... und Selling England by the pound. Supper's ready darf natürlich auch nicht fehlen. Ehrlich gesagt, um hier in Stimmung zu kommen, muss man ein Liebhaber der frühen Genesis- Zeiten sein. Nicht unbedingt was zum Mitsingen und Abrocken.

Ich bin ehrlich, mein Ding war das nicht, habe mich nach ein paar vernebelten Fotos schnell aus dem vorderen Bühnenbereich zurückgezogen und die Zeit mit interessanten bis lustigen Gesprächen mit den Musikern von Bosstime verbracht. Hauptgesprächsthema waren natürlich das neue Album vom Boss und die anstehende Konzerttour in Europa im Sommer.

Die Musiker von Bosstime als gefragtester Bruce- Springsteen- Coverband Deutschlands gastieren zum ersten Mal bei diesem Festival. Die Band hat sich ausschließlich dem Lebenswerk Bruce Springsteens verschrieben. Bosstime spielen viele Klassiker der Rockikone von 1975 bis heute. Der siebenköpfigen Band um Frontmann Thomas Heinen geht es darum, den Geist der legendären E Street Band lebensecht zu transportieren. Das Fundament legen Schlagzeuger Torsten Bugiel, Bassist Christian Golz, der heute erstmalig für den nach 5 Jahren ausgeschiedenen Bassisten Sebastian Naas (kein leichtes Erbe) an der Seite von Leadgitarrist Sebastian Netz und Moritz Schuster an den Tasten. Gitarristin und Sängerin Teneja Skrget und Saxofonist Jochen Baltes steht, die die Backings liefern. Der Posten des Bosses ist mit Thomas Heinen, der jede Silbe und jeden Ton der interpretierten Songs lebt, perfekt besetzt.

Gegen 21:00 Uhr war dann der Auftritt dieser Band geplant und die Jungs marschierten nach dem Einsingen, Instrumente Stimmen, Getränke Ordern und der Ankündigung durch den Ansager Micha Badura, der sich für seine Anmoderation erst einmal ein paar aktuelle Informationen holte, auf das Podium und eröffneten ihr (leider) nur 90 Minuten dauerndes Konzert mit dem aktuellsten Song von Bruce Springsteen „Lucky days“, einer gefälligen, liedhaften Nummer vom tags zuvor erschienenen 24. Album vom Boss. Das Publikum war ja recht gemischt, aber Thomas Heinen, der da oben auf der Bühne ackert, sich die Seele aus dem Leib singt, rockt, performt, schwitzt und klampft wie sein Vorbild bei Livekonzerten schaffte es mit seinen Mannen, die ca. 1000 Besucher nach und nach in Stimmung zu bringen. Kracher wie „Radio nowhere“, „Born to run“, „Badlands“ „Glory days“ sind echten Rockfans nicht unbekannt. Die Leute dancten und sangen immer aktiver mit, es machte Spaß, mitten drin zu sein, und auch die Musiker da oben haben sichtliches Vergnügen an den rockenden Konzertbesuchern. Sebastian Netz mit seinen sensiblen bis kraftvollen Saitenanschlägen und dem mit Sängerin Teneja und Saxofonisten Jochen harmonierenden Backroundgesang sucht immer wieder lachend Kontakt zum Bassisten Christian Golz, der sich gut in das Ensemble integriert, auch wenn er noch etwas öfter auf die Setlist schauen muss. Jochen und Teneja bilden auf der linken Seite ein sichtlich Spaß habendes Duo. Songs wie „Fire“, „Waitin on a sunny day“, „Dancing in the dark“ und der neue „Working on a dream“ laden förmlich zum Mittanzen und -singen ein. Jochen und Moritz beeindrucken mit schönen Soloeinlagen auf dem Saxofon und dem Keyboard, Thomas bemüht sich, seiner Mundharmonika stimmige Töne zu entlocken. Ich finde viele Originalklänge von den Alben und Liveauftritten von Bruce Springsteen wieder und freue mich sehr darüber, dass die Jungs es allein mit ihrer Performance, der Beherrschung ihrer Instrumente, der gezeigten Begeisterung und Professionalität schaffen, das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

Am Ende stehen 6 Musiker im Halbkreis vor dem Schlagzeug und zollen ihrem Kollegen an den Drums, der immer irgendwie im Bühnenhintergrund zwischen seinem Equipment versteckt und oft schlecht beleuchtet sitzt, dem Gründungsmitglied der Band, Torsten Bugiel, ihren Respekt und Applaus. Er, der vor nunmehr 5 Jahren diese Band ins Leben gerufen hat und mit Leidenschaft die Musik von Bruce Springsteen auf seinem Schlagzeug verkörpert, wird sich nun anderen Projekten widmen, für die wir ihm viel Erfolg wünschen. Für Freunde der Band ein bewegender Moment. Nach erlaubten 3 Zugaben verlassen die 7 Musiker sichtlich glücklich über den gelungenen Auftritt die Bühne.

Rock pur ohne Showeffekte und Schnickschnack, das ist das erfolgreiche Konzept von Bruce Springsteen seit fast 40 Jahren, der wie viele Klasse Rockmusiker nicht für schnelllebige Charterfolge, sondern für andauernde Qualität, Wandelbarkeit und excellente Liveauftritte steht, und dieses Konzept verfolgen genau die 7 Musiker von Bosstime. Für mich das einzig richtige Rezept.

Als dritter Act folgte mit großem Ankündigungsintro die Oueen- Revival- Band, die erste professionelle Queen- Live- Show Deutschlands. Durch die Zusammenarbeit mit Leadsänger und Freddie- Double Harry Rose ist die Formation bekannt geworden. Er kopiert durch sein Auftreten in originalgetreuen Kostümen Freddie Mercury, kommt durch seine Verkleidung in weißen Leggins, Glitzerjacke, gegeltem Haar und falschem Schnurrbart optisch täuschend recht nah ans Original. Die Protagonisten Harry Rose und Stefan Pfeiffer als Brian May sind durch ihre verblüffende Ähnlichkeit von ihren Vorbildern kaum zu unterscheiden. Die weiteren Mitglieder spielten schon Jahre vor der Gründung der Queen- Revival- Band zusammen. Die bis ins Detail gecoverten Queen- Songs werden mit wuchtigem Sound dargeboten. Instrumente, zahlreiche Requisiten sowie Gitarrenverstärker entsprechen den Originalen, waren mir persönlich aber viel zu laut und wuchtig für die Saalgröße. So fällt es mir schwer, den Gesang und die musikalische Qualität der Songs zu beurteilen.

Mein Ding ist diese Art des Coverns nicht, ich denke, man braucht nicht optische Effekte und Nachahmung, um seine Vorbilder am Leben zu erhalten, sondern allein die Qualität der Stimme und Können an den Instrumenten, Begeisterung und eigenständige Interpretationen der Songs…aber das ist wohl Geschmackssache.

Alle 3 Bands haben sicher die Fans ihrer Musik überzeugt, mein Highlight war der Auftritt von Bosstime. Bleibt zu wünschen, dass solche Rockevents weiterhin überall in Deutschland zur Tradition werden.

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